Rund 100 Besucher erlebten am Sonntag in der Adventgemeinde Uelzen ein außergewöhnliches Konzert mit der Harfenistin Silke Aichhorn. Virtuose Bearbeitungen, leise Töne und das Engagement für die Hospizarbeit verbanden sich dabei zu einem Nachmittag, der weit über ein klassisches Harfenkonzert hinausging.

Dass eine Konzertharfe weit mehr kann als sanfte und getragene Klänge, stellte Silke Aichhorn am Sonntagnachmittag in Uelzen eindrucksvoll unter Beweis. Rund 100 Besucher kamen in die Adventgemeinde – ein Spitzenwert für die inzwischen etablierte Konzertveranstaltung.

Aichhorn zählt zu den vielseitigsten Harfenistinnen ihrer Generation und hat sich insbesondere dadurch einen Namen gemacht, dass sie die Grenzen des klassischen Harfenrepertoires immer wieder erweitert. Zahlreiche Werke, die ursprünglich gar nicht für die Harfe geschrieben wurden, hat sie selbst für ihr Instrument bearbeitet.

So erklang in Uelzen unter anderem der bekannte Blumenwalzer aus Peter Tschaikowskys „Nussknacker-Suite“. Mit Jacques Offenbachs „Barcarole“ zeigte Aichhorn eine weitere bekannte Melodie in ganz eigener Klangfarbe.

Eine besondere Geschichte verbindet sich mit dem schottischen Stück „Loch Katrine’s Lady“ von Phil Cunningham. Der Akkordeonist Ryan Corbett spielte das Werk 2023 bei der schottischen Feier anlässlich der Krönung von König Charles III. in Edinburgh. Corbetts Akkordeonfassung wiederum inspirierte Silke Aichhorn zu ihrer eigenen Bearbeitung für die Harfe – ein Beispiel dafür, wie sie Musik unterschiedlichster Herkunft für ihr Instrument neu erschließt.

Dabei zeigte das Programm die ganze Spannweite der Harfe. Auf virtuose und temperamentvolle Passagen folgten immer wieder ruhige, fast meditative Momente. Mit dem schwungvollen „Harping on a Harp“ setzte Aichhorn schließlich einen fulminanten Schlusspunkt.

Doch gerade die leisen Töne führten zu einem zweiten Thema des Nachmittags, das der Musikerin seit vielen Jahren besonders am Herzen liegt: die Begleitung von Menschen in existenziell belastenden Lebenssituationen.

Seit 2013 ist Aichhorn Hospizbotschafterin der Caritas Traunstein, seit 2021 auch der Hospizbewegung Düren-Jülich. Für Menschen, die mit schwerer Krankheit, Sterben, Abschied und Trauer konfrontiert sind, hat sie inzwischen drei CDs unter dem Titel „Harfenklänge für die Seele“ eingespielt.

Aichhorn erlebt bei ihrem Engagement immer wieder, dass Musik Menschen auch dort erreichen kann, wo Worte kaum noch weiterhelfen. Mit ihrer Harfe ist sie deshalb regelmäßig im Umfeld der Hospiz- und Palliativarbeit präsent. Auch bei den Messen „LEBEN UND TOD“ in Bremen und Freiburg bringt sie ihre Musik in einen Raum, in dem Betroffene, Angehörige und Fachkräfte sich mit Sterben, Tod und Trauer auseinandersetzen.

Während des Konzertes in Uelzen machte Aichhorn zugleich auf die körperlichen und seelischen Wirkungen von Musik aufmerksam. Musizieren und bewusstes Musikhören können Entspannung, Wohlbefinden und Verbundenheit fördern. Einen Konzertbesuch versteht sie deshalb durchaus auch als eine Form der Selbstfürsorge – für die Zuhörer ebenso wie für die Musikerin selbst.

Wie sehr der Nachmittag die Besucher erreichte, zeigte nicht nur der außergewöhnlich hohe Zuspruch. Rund 1.000 Euro an Spenden kamen im Zusammenhang mit dem Konzert für die Hospizarbeit zusammen.

Damit verband sich die Wirkung der Musik mit ganz konkreter Hilfe: Der Erlös unterstützt die Begleitung von Menschen in einer Lebensphase, in der menschliche Nähe, Zeit und Zuwendung von besonderer Bedeutung sind.

Ein herzlicher Dank gilt deshalb allen Besucherinnen und Besuchern sowie allen Spenderinnen und Spendern, die mit ihrer Unterstützung zur Ausbildung ehrenamtlicher Hospizbegleiter beitragen.

Text: Ottmar Wander (0179-20 58 311; info@ottmarwander.de)
Bilder: Gerfried Lentzsch (Hospiz Am Stadtwald)